Wie ich das Gefühl, nicht gut genug zu sein, los wurde

Die Angst davor, nicht gut genug zu sein

Carmen ist eine attraktive, junge Frau, die meine Sympathie nach wenigen Minuten gewinnt. „Welches Anliegen kann sie wohl haben,“ überlege ich, während sie mir von ihrem scheinbar erfolgreichen Leben erzählt.  Ich kann mich nicht mehr halten und frage nach: „Und wo genau liegt nun das Problem? Deine Mitmenschen mögen und schätzen dich, du machst einen guten Job und dein Partner sowie deine Familie sind stolz auf dich.“

trauriger BlickCarmen senkt den Kopf: „Ich habe furchtbare Angst davor, dass die anderen bemerken, dass ich nur bluffe. Ich habe doch bloß Glück bei meinen Erfolgen, ohne Make-up sehe ich nur halb so gut aus und so ein wunderbarer Mensch, wie viele behaupten, bin ich auch nicht.“

Carmen leidet am Hochstaplersyndrom. Trotz offensichtlicher Beweise für ihre Fähigkeiten ist Carmen überzeugt davon, dass ihr Erfolg bloß Zufall ist und sie diesen nicht verdient hat. Stetig wird sie von der Angst begleitet, dass ihr jemand auf die Schliche kommt und dabei herausfindet, dass sie nicht gut genug ist.

Das Gefühl, nicht gut genug zu sein

Das Gefühl nicht gut genug zu sein, kann sich unterschiedlich intensiv in folgenden Varianten bemerkbar machen:

  • Du bist selbstkritisch und fühlst dich in deiner Haut häufig nicht wohl.
  • Du bist unsicher, weil du glaubst, dass dir gewisse Fähigkeiten oder Kompetenzen fehlen.
  • Du glaubst, dass du im Leben bisher nur Glück hattest und fürchtest dich davor, dass jemand hinter die Fassade blicken könnte. (*Hochstaplersyndrom)
  • Du bist perfektionistisch und schämst dich für Fehler und Macken.
  • Du bist unzufrieden mit deinem Körper, weil du dich mit anderen vergleichst, die weniger Makel haben.
  • Du versucht deine Schwächen und Macken zu verbergen.

Trifft einer dieser Punkte auf dich zu? Dann ergeht es dir ähnlich wie mir. Fast jeder von uns hegt ab und an ähnliche Gedanken. Vom sogenannten Hochstaplersyndrom aber, spricht man erst dann, wenn sich diese Gedanken in jegliche Lebenslage einschleichen und dadurch eine Wucht an Ängsten auslösen.

Dennoch ist auch das gelegentliche Gefühl „nicht gut genug zu sein,“ äußerst unangenehm und zehrt an unserem Selbstwert. Wie ich meine oftmals nicht wahrheitsgemäßen Gedanken über mich selbst durchbrechen konnte und dadurch zur Überzeugung kam, dass ich immer – ja selbst dann, wenn ich launisch bin und Fehler mache – gut genug bin, darüber schreibe ich im heutigen Beitrag.

4 Tipps – So wirst du das Gefühl, nicht gut genug zu sein, los

1. Lob und Komplimente als Beweise

Bei manchen Menschen ist das Gefühl nicht gut genug zu sein derart ausgeprägt, dass sie Anerkennung nicht annehmen können. Wenn ihnen zum Beispiel jemand sagt: „Wow das hast du aber klasse hinbekommen, tolle Arbeit,“ spielen sie ihre Leistung herunter. Ähnlich reagieren sie auch auf Komplimente, die sich auf ihr Äußeres beziehen. Ihre Reaktion ist ein Abbild ihrer inneren Überzeugungen. Sie können Anerkennung nicht annehmen, weil sie sich selbst nicht als gut oder schön genug empfinden.

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Wenn es dir auch gelegentlich so ergeht, empfehle ich dir folgende Vorgehensweise:

  • Versuche beim nächsten Mal, wenn du ein Lob oder ein Kompliment erhältst, bewusst anders zu reagieren, indem du dich einfach bedankst. Du signalisierst deinem Unterbewusstsein damit, dass dir die Anerkennung zusteht.
  • Anschließend sorgst du dafür, dass dieses Lob auch tatsächlich bei deinem Unterbewusstsein ankommt, indem du es niederschreibst. Leg‘ dazu eine Liste an.
  • Führe deine Liste solange fort, bis deine Selbstzweifel und das Gefühl nicht gut genug zu sein, abnehmen.
2. Machen statt perfektionieren

Hände, machenMenschen, die an sich zweifeln und des Öfteren das Gefühl haben, nicht gut genug zu sein, neigen zu Perfektionismus. Denn nur, wenn sie perfekte Ergebnisse erzielen, so glauben sie, können sie dadurch ihre fehlenden Qualitäten verbergen. In der Praxis bedeutet das, dass sie sich selbst und ihre Arbeit bis ins kleinste Detail perfektionieren und sich außerdem stetig selbst kontrollieren.

Dieses Muster durchbricht man am besten, indem man handelt. Machen statt perfektionieren! Zum einen fördert das den Lebensfortschritt und die persönliche Weiterentwicklung und zum anderen stellt sich dabei fast immer heraus, dass die eigenen Taten auch ohne vielfache Kontrollschleifen gut genug sind. Schritt für Schritt dringt diese Erkenntnis dann im Tun ins Unterbewusstsein vor.

3. Vergleiche stoppen

Oftmals ist es der Vergleich mit anderen, der uns suggeriert, dass wir nicht gut genug sind. Meist aber handelt es sich dabei um faule Vergleiche. Wir fühlen uns nicht schön, klug oder liebenswert genug, weil wir uns lediglich in einer Disziplin, meist in jener, in der wir nicht so gut abschneiden, vergleichen. Und dann vergleichen wir uns auch noch mit all jenen, die in diesen Disziplinen besonders gut sind. Zum Beispiel mit Models, TV-Stars, der perfekten Mutter, Managerinnen oder anderen Multitalenten. Kein Wunder, dass wir dann schnell einmal denken, wir seien nicht gut genug.

Wenn ich mich dabei ertappe, dass ich mich vergleiche, dann durchbreche ich diese Gedanken sofort. Meist hilft mir dabei der Satz: Ich bin gut genug, weil… Diesen ergänze ich mehrfach um alles, was mir spontan einfällt. Zum Beispiel: …weil ich immer wieder aufstehe, wenn ich hinfalle, weil ich täglich lache, weil ich hilfsbereit bin, weil ich trotz meiner Makel schön bin, weil ich mich stetig weiterentwickle usw.

4. Du bist gut genug – noch mehr Beweise

FreundinnenAll jene Menschen, die dich lieben und schätzen, beweisen dir immer wieder aufs Neue, dass du gut genug bist. Leg‘ eine Liste mit den Namen all dieser Menschen an und wirf einen Blick darauf. Glaubst du wirklich, dass sich all diese Menschen täuschen?

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Außerdem beweisen auch all deine bisherigen Erfolge, dass du gut genug bist. Schau in den Rückspiegel und notiere alles, was du bisher erzielt und gemeistert hast. Zum Beispiel: deinen Schulabschluss, das Absolvieren einer Ausbildung, ein erfolgreiches Projekt privat oder beruflich, das Erlangen eines Jobs, den Umbau einer Wohnung, das Erlernen einer Sportart, eines Instrumentes oder einer Sprache etc. Denkst du wirklich, es ist ein Zufall, dass du all das geschafft hast?

Und zum Abschluss meine liebste Affirmation zu dieser Thematik: Ich bin Mensch – ich bin Liebe, ich bin fehlerhaft – ich bin ich. Und das ist mehr als genug.

Herzliche Grüße, deine Melanie

Melanie liest

Selbstliebe Buch:

Jeder von uns hat Handicaps. Die eine ist unzufrieden mit ihrem Hintern, der andere mit seiner Nase. Der nächste erleidet einen Schicksalsschlag, erkrankt, muss sich einer Trennung stellen oder stellt traurig fest, dass sich seine Lebenswünsche noch nicht erfüllt haben. In meinem ersten Buch – Als ich lernte meinen Hintern zu lieben – geht es darum, wie wir trotz all dieser Handicaps verdammt glücklich werden können und dabei lernen uns selbst von Kopf bis Fuß mit allem dazwischen selbst zu lieben.

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2 Kommentare

  1. Super ermutigender Artikel! Vielen lieben Dank!

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