Honigperlen

Wenn wir es all jenen beweisen, die uns verletzten und unterschätzten

Triumph: Wenn wir es anderen beweisen

Wie oft im Leben musstest du dich schon beweisen? Wenn ich auf die letzten zehn Jahre zurückblicke, dann sehe ich da unzählige Situationen, in denen ich mich wieder und wieder bewiesen habe. Eine ist mir wegen des außergewöhnlichen Triumphgefühles besonders in Erinnerung geblieben:

Ihr habt mich unterschätzt!

Ich war in etwa 24 Jahre als ich mir meines ersten Traumjobs bewusst wurde. Ich wollte Kommunikationstrainerin werden, durchs Land reisen und viele spannende Menschen kennen lernen. Da ich wusste, was ich wollte, bewarb ich mich bei meinem damaligen Arbeitgeber um einen solchen Job. Nach nur einem Tag erhielt ich eine Absage. Begründet wurde diese damit, dass ich für den Job zu jung und zu unerfahren wäre. Meine Vorgesetzte meinte schließlich noch, dass sie nicht glaube, dass ich sonderlich begabt als Trainerin sei. In meinem Bauch brodelte es damals vor Zorn und Verletzung. Ich wurde unterschätzt und zurückgewiesen.

Knapp neun Monate später bewarb ich mich bei einem anderen Unternehmen um eine ähnliche Stelle. Diesmal bekam ich sie. Es folgte ein aufregendes Jahr, in dem sich herausstellte, dass ich verdammt gut in diesem Job war. Als mein Ex-Arbeitgeber dann auf mich zukam und mir plötzlich anbot als Kommunikationstrainerin zurück in das Unternehmen zu kommen, lehnte ich dankend ab und verspürte das wohltuende Gefühl des Triumphes.

Triumphieren ist schön. Sich beweisen ist anstrengend.

Und obwohl das Gefühl des Triumphes ein schönes ist, habe ich es mittlerweile satt mich zu beweisen. Anders als in der von mir geschilderten Geschichte steckt hinter dem Beweisen nämlich oft kein persönlicher Mehrwert. Nein, häufig geht es bloß darum es all jenen, die uns im Laufe unseres Lebens verletzten, ablehnten oder unterschätzten, zu zeigen, dass wir gut und wertvoll sind. Bestimmt hast du bereits ähnliche Erfahrungen mit Verflossenen, Expartnern, Arbeitgebern, Kollegen oder Vorgesetzten gemacht. Und vielleicht geht es dir jetzt wie mir und du hast es satt dich zu beweisen.

In diesem Beitrag möchte ich die Antreiber, die für den Drang es anderen beweisen zu wollen, verantwortlich sind, entlarven. Und außerdem ein paar Anregungen liefern, wie man damit aufhören kann diesem Drang nachzukommen.

Dir zeig ich’s! Ich werde es dir beweisen!

Wenn wir es anderen beweisen wollen, haben wir den Wunsch darzustellen, wie wertvoll, intelligent, fachkundig, beliebt, liebenswert, erfolgreich oder gut wir sind. Wir wollen also beweisen, dass wir wundervolle Menschen sind. All jenen Menschen, die uns lieben, die unsere Fähigkeiten schätzen oder uns gar bewundern, brauchen wir das nicht zu beweisen. Sie wissen ohnehin über unseren menschlichen Wert bescheid.

Aber jene, die uns wie Luft behandeln, uns nicht ernst nehmen, uns in der Vergangenheit abgelehnt, zurückgewiesen oder unterschätzt haben, diesen Menschen wollen wir zeigen, dass sie sich getäuscht haben.

Welchen Menschen wollen wir es beweisen?

Aber wem wollen wir tatsächlich etwas beweisen?

In Wahrheit wollen wir uns selbst beweisen, dass ein bestimmtes Bild, das ein anderer von uns hat, nicht stimmt. Wenn also jemand glaubt, wir seien undiszipliniert, nicht besonders begabt, dominant oder kleinlich, dann stößt uns das deshalb derart auf, weil wir genau so nicht sein wollen. Und obwohl wir in dieser Situation gerne behaupten, die Meinung des anderen sei uns egal, ist genau diese dafür verantwortlich, dass sich Selbstzweifel in uns auftun.

Anschließend tun wir alles, um zu beweisen, dass wir eben doch begabt, liebenswert oder intelligent sind. Wir glauben indem wir es jenen beweisen, die uns durch ihr Verhalten, ihre Worte und ihre Taten diese Selbstzweifel übergestülpt haben, würden diese dann auch wieder verschwinden.

Kurzum: Wir beweisen eigentlich uns selbst, dass wir ein toller Mensch sind. Immer und immer wieder. Dennoch verschwinden die Selbstzweifel und die dunklen Anteile, die unsere Schwächen, Mankos und Unzulänglichkeiten integrieren, nicht zur Gänze. Nicht zuletzt deshalb, weil es da draußen immer jemanden geben wird, der uns unterschätzt oder mit einem falschen Urteil abstempelt. Und spätestens dann beginnt das Beweisspiel wieder von Neuem.

Wie können wir aufhören, es anderen zu beweisen?

Was andere über mich denken, ist ihre Wahl. Was ich von mir denke, ist meine Wahl. Deine Melanie

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