Sorry! Warum eine Entschuldigung von wahrer Größe zeugt

Um Entschuldigung zu bitten, ist nicht einfach!

Es ist schon ein paar Tage her seit Kerstin in einem Streitgespräch mit ihrem Lebensgefährten Mario die Nerven durchgegangen sind. Unschöne Phrasen, wie „du bist das Letzte, der schlimmste Alptraum und eigentlich hast du mich gar nicht verdient,“ waren mit im Spiel.

Die beleidigenden Worte, die sie Mario in jener Situation aus Wut an den Kopf warf, tun ihr jetzt leid. Schlussendlich handelte es sich bei dem Streitgegenstand um ein Missverständnis, weswegen ihr Reuegefühl in den letzten Tagen weiter zunahm.

„Eine Entschuldigung wäre angebracht,“ schlussfolgert Kerstin für sich. Und obwohl sie ihren Fehltritt ehrlich bereut, kann sie sich schwer dazu überwinden. Woran das liegt, welche Hindernisse wir beim Entschuldigen bewältigen müssen und weshalb eine Bitte um Vergebung heilsam sein kann, darüber möchte ich heute schreiben.

Warum ist es so schwer sich zu entschuldigen?

Derjenige, der sich entschuldigt, ist in einer unangenehmen Lage. Er ist Schuldiger und hat daher um Vergebung zu bitten und Buße zu tun. Viele Menschen interpretieren daraus, sich zu entschuldigen, sei eine Schwäche.

Außerdem bedeutet eine Entschuldigung auch, sich einen Fehler einzugestehen. Oftmals bestätigt sich dadurch nicht nur das Gefühl etwas falsch gemacht zu haben, sondern man interpretiert unbewusst auch, dass ein Teil von sich selbst falsch, sprich nicht gut, ist. Und das wiederum kann sehr am Selbstvertrauen zehren.

Warum sollten wir uns dennoch entschuldigen?

Wenn uns ein Fehltritt ehrlich leid tut, dann sollten wir aus drei guten Gründen, um Entschuldigung bitten.

  • Das Reuegefühl: Entschuldigen wir uns nicht bleibt das Reuegefühl, das sowohl seelischen, wie auch körperlichen Stress erzeugt, bestehen. Eine Entschuldigung ist unter diesem Aspekt also sogar ein Ventil für das unangenehme Gefühl bzw. das schlechte Gewissen.
  • Das Mitgefühl: Der zweite Grund ist das Mitgefühl dem Menschen gegenüber, den wir gekränkt haben. Meist schmerzt es uns selbst, dass wir jemanden, den wir lieben oder schätzen, verletzt haben. Um dieses Gefühl zu heilen und als Zeichen dafür, dass wir ihm dieses Leid wieder abnehmen wollen, bitten wir um Vergebung.
  • Die Selbstannahme: Sich zu entschuldigen zeugt von wahrer Größe. Denn eine ehrliche Entschuldigung erfordert Mut, Nachsicht mit sich selbst, Reflexion und Selbstliebe.
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Für eine gesunde Entschuldigung braucht es Mut und Selbstliebe

Damit die Entschuldigung, wie eingangs erwähnt, nicht zum Angriff gegen den eigenen Selbstwert wird, sollten wir uns über Folgendes bewusst sein:

  • Jeder einzelne von uns macht Fehler. Und manchmal verletzen wir dabei Menschen, die uns sehr viel bedeuten.
  • Wer behauptet, er müsse sich daher nicht entschuldigen, weil er fehlerfrei sei, hat die Größe zu seinen Fehlern und Macken zu stehen und sich dennoch selbst zu lieben, einfach noch nicht erreicht.
  • Wer sich hingegen darüber bewusst ist, dass ein Fehltritt nichts mit seinem Wert und seiner Liebenswürdigkeit zu tun hat, der erlangt die Fähigkeit liebe- und verständnisvoll mit sich und anderen umzugehen.
  • Die Fähigkeit um Entschuldigung zu bitten, haben demnach oftmals genau jene Menschen, die auch anderen vergeben können.

Eine Entschuldigung ist nicht immer angebracht!

Die Bitte um Entschuldigung inflationär zu verwenden, ist in unserer Gesellschaft leider weit verbreitet. In der Kindheit haben viele von uns gelernt sich für jeglichen Anlass zu entschuldigen. Oftmals leider auch für Dinge, die uns gar nicht leid tun müssen. Wir entschuldigen uns gerne dafür, dass wir da sind, dass wir im Weg stehen oder dafür, dass wir unserem Empfinden nach etwas Unpassendes sagen.

Ich bin noch immer dabei mir dieses missbräuchlich angelernte Verhalten abzugewöhnen. Zum einen weil ich dadurch meinen Selbstwert stärken möchte und zum anderen, weil ich das Zauberwort Entschuldigung nicht durch einen zu häufigen Gebrauch entwerten möchte.

Wie sieht es mit deinem Entschuldigungsverhalten aus?

Ich möchte dich dazu einladen dein Entschuldigungsverhalten ein wenig zu reflektieren. Vielleicht erlangst du dabei spannende Erkenntnisse über dich selbst oder aber eine Idee, wie das „Sorry“ zukünftig leichter über deine Lippen geht.

  • Wie oft entschuldigst du dich? Vielleicht sogar zu oft? Oder nie?
  • Wofür oder für wen entschuldigst du dich?
  • Fällt dir eine Entschuldigung schwer? Wenn ja, so hilft dir vielleicht die wiederholte Bewusstmachung deines eigenen Wertes, der sich trotz Fehltritten nicht mindert.
  • Wie fühlst du dich nach einer Entschuldigung? Und was könntest du tun, um dich (noch) besser zu fühlen?

Nachdem du dir dein Verhalten im Hinblick auf das Entschuldigen ins Bewusstsein gerufen hast, möchte ich abschließend noch ein paar Punkte aufzählen, die für eine ehrlich gemeinte Entschuldigung von Bedeutung sind.

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Richtig entschuldigen erfordert…

  • Aufrichtigkeit: Unsere Worte sollen ehrlich ausdrücken, warum wir etwas bereuen. Es muss eindeutig erkennbar sein, dass unsere Entschuldigung keine Höflichkeitsphrase ist.
  • Verstehen: Empathie und Verständnis sind das Zaubermittel, wenn es ums Vergeben geht. Wenn sich der Betroffene in seiner Kränkung verstanden fühlt, er wahrnimmt, dass wir seinen Schmerz nachempfinden können, dann kann er rascher einlenken und verstehen, warum uns ein Fehltritt unterlaufen ist.
  • Bitten: Eine Entschuldigung ist eine Bitte und impliziert keine Erwartung. Und genau so sollte sie auch in Worte gefasst werden.

Eine Entschuldigung bringt oft ein Happy End!

Kerstin zögerte noch ein wenig bis sie endlich ihren Mut zusammen nahm und auf Mario zuging. Schlussendlich aber schätzte Mario ihre Stärke, sich einen Fehler einzugestehen und nahm die Bitte um Vergebung an. Das schöne Gefühl von Versöhnung machte sich breit.

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2 Kommentare

  1. Ein so wichtiges Thema. Erst kürzlich hatte ich es mit einer Freundin darüber. Ich habe entschuldigen sehr lange als eine Schwäche empfunden. Dabei ist es wirklich stark, sich aufrichtig für einen Fehler entschuldigen zu können, ohne sich dabei herabgesetzt zu fühlen. Ich lerne es und es tut sehr gut.

    Danke für den wunderbaren Beitrag.

    Jasmin

    http://www.beyondmymat.de

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