Endlich vergeben – Dir selbst zu Liebe

Warum es so schwer ist zu vergeben und du es trotzdem tun solltest!

„Er hat es nicht verdient, dass ich ihm vergebe,“ faucht Marianne während sich in ihren Augen all der aufgestaute Schmerz und die Wut von damals widerspiegelt. Ich räuspere mich und stoße ein leises „Entschuldigung“ aus, weil ich erst jetzt bemerke, wie wenig einfühlsam meine Aufforderung ihm endlich zu vergeben, gerade war.

Auch wenn es mittlerweile schon zwölf Jahre her ist, seit sich Marianne von ihrem ersten Freund, der sie mehrmals betrog, getrennt hat, sind die Wunden noch immer nicht geheilt. Dem äußeren Schein nach, ist das kaum zu glauben, schließlich hat sich Marianne mittlerweile grundlegend verändert. Sie steht mit beiden Beinen im Leben, hat eine bemerkenswerte Karriere als Juristin hingelegt und ist seit vielen Jahren glücklich verheiratet. Nichts erinnert an die betrogene Frau mit den vielen Selbstzweifeln von damals.

Wie kann es also sein, dass der Groll und die Verletzung nach mehr als zehn Jahren noch immer so präsent sind? Die Antwort ist banal. Marianne hat Markus niemals vergeben.

Endlich vergeben – eine Lektion

Marianne erteilte mir mit ihrem Verhalten eine wichtige Lektion. Sie machte mir bewusst, dass Vergebung nicht eine Sache ist, mit der wir demjenigen, der uns verletzt hat Güte erweisen, sondern einzig eine Entscheidung zu unserem Wohle. Vergeben sollten wir also vor allem uns selbst zu Liebe.

Marianne ist das beste Beispiel dafür. Seit mehr als zehn Jahren bestreitet sie ihr Leben mit dem Schmerz von damals. Weil sie nicht vergeben und die Geschehnisse von damals abschließen kann, knallen die Erinnerungen und die schmerzhaften Emotionen immer wieder in ihr Leben. Ja, sie beeinflussen sogar ihre Beziehungen und ihre Handlungen in der Gegenwart.

Wie bloß vergeben?

Als ich Marianne behutsam erkläre, warum ich mir Vergebung für sie wünsche, lässt die Wut nach und sie hört mir geduldig zu. „Ja, du hast ja Recht, aber ich weiß einfach nicht, wie ich vergeben soll.“

Und auch das kann ich sehr gut verstehen, denn schließlich ging es mir vor nicht all zu langer Zeit ähnlich. Ich wollte zwar mir selbst zu Liebe vergeben, aber die Wut war ständig stärker, weswegen es einfach nicht klappte. Erst als ich begann mich mit den Stolpersteinen der Vergebung zu beschäftigen, fand ich Wege, die das endgültige Aussöhnen ermöglichten.

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Vier Wege der Vergebung

Diese vier Wege sind gezielt auf die Herausforderungen beim Akt des Vergebens ausgerichtet. Sie beinhalten einen Blick hinter die starken Emotionen und Ideen, die es uns dennoch ermöglichen ein Lebenskapitel durch Vergebung liebevoll abzuschließen.

1. Offene Fragen hindern am Vergeben

Wenn wir gekränkt, enttäuscht oder verletzt wurden, bleiben meist viele Fragen offen: Warum wurde mir das angetan? Warum hat mir niemand geholfen? Was hat den anderen dazu bewegt, so zu handeln? Wie kam es bloß dazu? usw.

Meist bekommen wir auf diese Fragen keine oder nur wenig zufriedenstellende Antworten. Und so nagen sie oft jahrelang an uns. Dem kannst du ein Ende setzen. Immer dann, wenn in Zukunft so eine Frage auftaucht, kannst du dir folgende Methode zu Nutze machen.

  • Notiere deine offenen, zermürbenden Fragen und nimm dir mindestens eine Stunde Zeit für diese.
  • Nun schlüpfst du in eine neutrale Rolle und versucht tatsächlich die Fragen zu beantworten. Natürlich weißt du nicht, ob deine Antworten stimmen aber du wirst plausible Möglichkeiten finden, die dir zur Akzeptanz verhelfen. (Eine vertraute Person kann dich hierbei unterstützen)
  • Wenn du die Fragen beantwortet hast, kannst du sie zur symbolischen Bekräftigung auch durchstreichen oder vernichten.
2. Vergib dir selbst!

Oftmals hindern wir selbst uns am Vergeben. Unbewusst glauben wir, dass wir durch unser Verhalten selbst einen Teil der Schuld tragen. Marianne zum Beispiel war damals ein schüchterne junge Frau, die wenig Selbstwertgefühl hatte. Sie glaubt mit ihren ständigen Selbstzweifeln einen Beitrag an dem Unrecht, das ihr angetan wurde, geleistet zu haben. Hierbei geht es nicht um die Frage, ob dem tatsächlich so ist, sondern einzig um die unbewusste Annahme einer Teilschuld. Überprüfe daher, ob du dir im Bezug auf dein Trauma in der Vergangenheit Selbstvorwürfe machst.

  • Welche Selbstvorwürfe, Zweifel oder Schuldgefühle hast du?
  • Versetze dich in dein früheres Ich hinein und versuche zu verstehen, dass es damals sein Bestes gab. Es war nicht so weise und erfahren, wie du es heute bist. Es hat einfach nur nach seinen Möglichkeiten gehandelt.
  • Nimm dein früheres Ich liebevoll in den Arm und flüstere ihm ins Ohr: “Ich vergebe dir. Du bist wundervoll und hast dein Bestes getan.“
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3. Vergeben ohne Entschuldigung?

Derjenige, der Schlechtes getan hat, muss dafür Buße tragen.“ Das wurde den meisten von uns eingebläut. Da sich derjenige, der uns verletzt oder gekränkt hat aber nur selten entschuldigt, fehlt uns die Vergeltung. Das Gefühl, dass uns Unrecht angetan wurde, wird dadurch noch stärker.

Dieses Gefühl kann durch eine Person, die sich stellvertretend entschuldigt, geheilt werden. Das Gefühl von Ungerechtigkeit in uns verlangt es gehört und bestätigt zu werden. Füttern wir dieses, so kann es sich endlich wandeln.

  • Such dir einen Vertrauten oder einen professionellen Unterstützer.
  • Erzähle dieser Person detailgetreu, was damals geschah. Lass den Schmerz, die Kränkung und die Enttäuschung raus.
  • Dein Unterstützer, der anhand dieser Übungsanleitung weiß, was er zu tun hat, bekräftigt dich in deinem Gefühl der Ungerechtigkeit. Stellvertretend für denjenigen, der dich verletzt hat, entschuldigt er sich dafür, was dir damals angetan wurde. In etwa so: „Es ist schlimm, welch Unrecht du erfahren musstest. Das war nicht okay! Ich entschuldige mich dafür, was du erleiden musstest…“
  • Nachdem Gespräch schüttelt der Unterstützer sich emotional, von der eben auf sich genommenen Last, ab. (Eine professionelle Begleitung ist bei dieser Methode empfehlenswert)
4. Vergebung ist eine Entscheidung!

Diese sollte einmal laut bekräftigt werden in etwa so: „Ja ich vergebe XXX!“ Immer dann, wenn die schmerzhaften Emotionen hochkommen, wiederholt man seine Entscheidung: „Ach ja da seit ihr ja wieder – Hallo Groll, hallo Wut, hallo Selbstzweifel – ich weiß, dass ihr da seid, aber ich habe mich für Vergebung entschieden und zwar mir selbst zu Liebe.“

Natürlich wird es ein bisschen Zeit benötigen bis die Methoden fruchten. Bis dahin unterstützt dich dein Entscheidungsgedanke dabei auf dem Weg der Vergebung zu bleiben. Und zwar dir selbst zu LIEBE!

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6 Kommentare

  1. Liebe Melanie!
    Danke für die guten Tipps. Beim Verzeihen ist es wirklich schwer nicht ständig wütend zu sein auf den der einem weh getan hat. Das weiß ich sehr gut, weil ich noch immer daran arbeite meinem Exfreund zu verzeihen. Dabei erwische ich mich oft, wie ich wütend oder traurig werde. Ich hab mir mitgenommen, das ich jetzt immer sage „nein ich lasse die Gedanken jetzt nicht zu, weil es mir selbst nicht tut gut“ Das funktioniert nicht immer. Aber es wird besser.
    Danke, lg Miriam

    • Liebe Miriam!
      Es ist immer wieder schön von dir zu lesen. Danke, dass du deine Erfahrungen mit uns teilst.
      Ich wünsche dir alles Liebe und viel Kraft auf deinem weiteren Weg der Vergebung.
      Herzlichen Gruß

    • Liebe Miriam!
      Ich danke dir für dein Kommentar und deine persönlichen Erfahrungswerte.
      Es freut mich immer wieder von dir zu lesen. Alles Liebe und bis bald
      Melanie

  2. Hallo Melanie
    So ich hoffe es klappt dieses mal mit dem Kommentar
    Ich wollte mich einfach nur bedanken. Für all deine Philosophien, Gedanken und Übungen, die du auf deiner Seite zur Verfügung stellst.
    Ich habe sie erst vorgestern durch eine Freundin, die dich schon lange abonniert, entdeckt.
    Ich finde mich in deinen Texten wieder. Gerade die Vergebungen und ihr Zusammenspiel mit Selbstliebe haben mich sehr berührt.
    Danke dir

    • Liebe Silvana!
      Ich freue mich sehr darüber, dass deine Freundin mich weiterempfohlen hat und ganz besonders darüber, dass ich dich mit meinen Texten tatsächlich inspirieren konnte. Ich wünsche dir noch viel Freude beim Lesen, sowie hilfreiche und wertvolle Gedanken, die dich in deinem Tun unterstützen.
      Herzlichen Gruß

    • Hallo Silvana!
      Es freut mich, dass deine Freundin meine Texte weiterempfohlen hat. Und noch mehr, dass sie dich nun auch tatsächlich inspirieren. Ich wünsche dir noch viel Freude beim Lesen, sowie hilfreiche Gedanken und Bewusstheit.
      Alles Liebe Melanie

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